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Baulicher Schallschutz für gebäudetechnische Systeme – Lösungsvorschläge für Planer und Architekten

Tieffrequenter Schall – neue Anforderungen für die Planung?

Der Schallschutz ist im Prinzip Planungsbestandteil jeder Haustechnik- und Hochbauplanung. Am Anforderungsniveau hat sich hier in den letzten Jahren wenig geändert, auch wenn immer wieder Novellierungen angekündigt wurden. Der Planungsaufwand hält sich i. A. in Grenzen, weil für fast alle Details abgestimmte und bewährte Lösungen vorliegen. Anlagentechnischer Schallschutz wird normalerweise vom Haustechnikplaner über entsprechende Geräte- und Schalldämpferauswahl unabhängig vom Architekten gelöst. Bei reinen Lüftungsanlagen ist diese Vorgehensweise auch kostensparend und zielführend, weil inzwischen so leise Geräte auf dem Markt verfügbar sind, dass kein – oder nur minimaler – baulicher Schallschutz betrieben werden muss. Im Idealfall wird das Trockenbau-Gewerk vom Lüftungsbauer übernommen, soweit es sich auf Abkofferungen und Verkleidung von Anlagentechnik und Kanalnetz bezieht. Das hat den Vorteil, dass die exakten Maße und Anforderungen ohnehin in seinem Verantwortungsbereich liegen. Insbesondere im Bereich der Modernisierung und nachträglichen Integration von Lüftungsanlagen im Altbau hat sich diese Vorgehensweise in der Praxis bewährt.

Welche zusätzlichen Anforderungen entstehen nun beim Einsatz von Passivhaus-Kompaktgeräten im Bereich Schallschutz? Hinsichtlich des reinen Lüftungsteils unterscheidet sich die Planung im Prinzip nicht. Telefonieschalldämpfer zwischen den einzelnen Räumen müssen nach wie vor die Übertragung von Sprachschall wirkungsvoll unterbinden. Körperschallentkopplung des Kanalnetzes ist ebenfalls Standard in der Ausführungsplanung der Wohnungslüftung. Hinzu kommt bei Geräten mit Wärmepumpen allerdings eine zusätzliche tieffrequente Luft- und Körperschallkomponente. Diese erfordern nach derzeitigem Stand der Gerätetechnik je nach Aufstellort zusätzliche Schallschutzmaßnahmen, auf die in den folgenden Abschnitten eingegangen wird. Neben den Voraussetzungen, welche für die Planung und Dimensionierung erforderlich sind, wird auf die Möglichkeiten und Grenzen des baulichen Schallschutzes insbesondere im tieffrequenten Bereich eingegangen, weil darüber im Rahmen der Bauakustik bislang nur wenig Daten verfügbar sind. Abschließend wird auf Planungswerkzeuge eingegangen, welche die Berechnung der Luftschallübertragung inklusive der Flankenübertragung ermöglichen. Ziel der Planung sollte sein, mit vertretbaren Kosten ein Schallschutzniveau zu erreichen, welches die Einhaltung der Anforderungen ermöglicht, ohne jede Wohneinheit messtechnisch überprüfen zu müssen. Erfahrungsgemäß sind wirksame Schallschutzmaßnahmen kaum mit vertretbarem Aufwand nachrüstbar, wenn sie nicht von vornherein eingeplant wurden.

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Zusammenfassung

Die wichtigste Voraussetzung für die Dimensionierung von Schallschutzmaßnahmen ist die Kenntnis über die Schallquelle selbst. Der Planer benötigt die Terzspektren ab 25 Hz für Geräte- und Kanalschall, um die richtige Auswahl der Trennwände für Aufstellraum oder Einhausung sowie die entsprechenden Türen und nicht zuletzt der geeigneten Schalldämpfer treffen zu können.

Im Rahmen dieses Beitrags konnten Anhaltspunkte und Beispielrechnungen für die Geräteaufstellung vorgestellt werden, die sich nur bedingt auf andere bauliche und anlagentechnische Situationen übertragen lassen. Zusammenfassend lässt sich jedoch festhalten, dass die Aufstellung im Massivbau, vorzugsweise im Keller bzw. Hauswirtschaftsraum bzw. mit entsprechender Kapselung auch innerhalb der Wohneinheit problemlos möglich ist. Wirksamen Luftschallschutz bei möglichst geringen Kosten erreicht man mit Massivwänden, z. B. mit min. 110 mm dicken Kalksand¬steinwänden oder mit min 100 mm dicken Betonwänden.

Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit ist darauf zu achten, die Systemkosten, also für Anlage und baulichen Schallschutz möglichst gering zu halten. Dabei ist der Grundsatz, bei den Maßnahmen immer zunächst bei der Schallquelle zu beginnen, auch aus wirtschaftlicher Sicht gültig. Zukünftiges Entwicklungsziel der Hersteller sollte daher ein möglichst guter gerätetechnischer Schallschutz sein, weil nur so langfristig Konkurrenzfähigkeit im Vergleich mit anderen Wärmeerzeugern erreicht wird.

Literatur

[EN 12354] DIN EN 12354, 2000-12, Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften - Teil 1: Luftschalldämmung zwischen Räumen; Deutsche Fassung EN 12354-1:2000.

planung/haustechnik/heizung_und_warmwasserbereitung/waermebereitstellung/waermepumpe/baulicher_schallschutz_fuer_gebaeudetechnische_systeme.txt · Zuletzt geändert: 2013/03/22 14:48 von cweber