Wärmebrücken und Verbesserung der Luftdichtheit im Altbau

Wärmebrückenfrei beim Altbau?

Wärmebrückenfreies Konstruieren – d.h. Optimierung der Details so lange, bis der Wärmebrückenzuschlag in Bezug auf die Außenoberfläche ΔUWB kleiner gleich Null wird – hat sich beim Neubau ausgezeichnet bewährt (vgl. dazu [AkkP 16]; [AkkP 21]). Die Vorteile liegen auf der Hand: Kein Ärger mit kalten Stellen und Feuchteschäden, keine aufwändig-umständliche Rechnerei, wenige klar formulierte Prinzipien für die Planung der Details.

Abb. 1: Eine geschlossene dämmende Hülle auch im Altbau?


Kann dieser Ansatz auch auf die Modernisierung von Altbauten übertragen werden? Dies wäre sehr wünschenswert, denn gerade bei Altbauten treten häufig durch Wärmebrücken bedingte Feuchteschäden auf. Abb. 1 zeigt einen Schnitt durch einen zur Modernisierung anstehenden Altbau. Schematisch ist die geschlossen rings um die Hülle gelegte zusätzliche Wärmedämmung dargestellt. Ein Blick genügt, um die entscheidenden potentiellen Anschlusswärmebrücken zu identifizieren:

  • Aus der Hülle herausragendes Mauerwerk am Kniestock
  • Holzbalkendecken als Zwischendecken; wichtig vor allem die Situation an den Balkenköpfen
  • Einbindung der Fenster (seitlich/oben und unten bei der Fensterbank).
  • Aufsteigendes Außenmauerwerk am Sockel.
  • Die Kellerdecke durchstoßendes tragendes Innenmauerwerk.


Diese Details werden im vorliegenden Beitrag nebst zugehörigen Lösungen behandelt.

U = 1,38 W/(m²K) Vollziegelmauerwerk 380 mm Massivbauten bis 1948U = 1,37 W/(m²K) Hochlochziegelmauerwerk 240 mm Massivbauten 1957 - 68
Abb. 2: Regelbauteile IST-Zustand


Für den Ausgangszustand werden die beiden in Abb. 2 gezeigten Regelbauteile zu Grunde gelegt. Die „Anderthalbstein-“ Vollziegelwand kann als typisch für verputzte Massivbauten vor dem 2. Weltkrieg gelten. Das „24 cm Hochlochziegelmauerwerk“ steht für schlanke Wandkonstruktionen der 50er, 60er und auch noch 70er Jahre: Es wurden auch andere Materialien verwendet (z.B. Bimssteine), die Ergebnisse sind aber ähnlich und vor allem unterscheiden sich die Modernisierungslösungen kaum. In den Jahrgängen bis 1950 wurden meist Holzbalkendecken verwendet; zuerst bei der Kellerdecke und dann zunehmend auch den anderen Geschossdecken bis auf die oberste wurde zunächst auf Betonteiledecken und später auf Ortbetondecken übergegangen. Die typischen Fragen und Aufgabenstellungen werden transparent, wenn jeweils ein Fallbeispiel mit dem entsprechenden Deckentyp behandelt wird.


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Zusammenfassung: Fazit zu Wärmebrücken und Verbesserung der Luftdichtheit

Die Projektierungsgrundsätze des Passivhausbaus lassen sich vom Neubau auf den Altbau übertragen.
Auch das „wärmebrückenfreies Konstruieren“ kann im Altbau angewendet werden; allerdings gibt es dabei Ausnahmen, die mit vertretbarem Aufwand nicht völlig wärmebrückenfrei ausgestaltet werden können (Kellersockel, auskragende Balkonplatte,… ). Auch bei diesen Details kann man sich während der Planung von den Grundsätzen des wärmebrückenfreien Konstruierens leiten lassen.
Die von der Außenseite besser gedämmten Details haben grundsätzlich an allen Stellen höhere Innenoberflächen-Temperaturen. Die Gefahr von Feuchteschäden nimmt bei besserer Dämmung überall ab. Dabei haben einige Altbaudetails derart massive Wärmebrücken, dass erst eine Dämmung auf Passivhausniveau ausreichend hohe Innenoberflächentemperaturen im Winter gewährleistet, um auch bei Aufstellung von Möbeln kein Schimmelrisiko zu erhalten. Die Ergebnisse der hier vorgelegten feuchteschutztechnischen Berechnungen zeigen, dass es dringend zu empfehlen ist, beim Einbau neuer luftdichter Fenster auch die Außenwände des Gebäudes zu dämmen und dabei auf ausreichende Dämmdicke zu achten. Mit einer Außendämmung auf Passivhausniveau liegt man bei allen Details durchgehend auf der sicheren Seite.
Auch für das Erreichen einer guten Luftdichtheit gelten die gleichen Regeln wie beim Neubau. Es müssen allerdings für eine Reihe von Details spezifische Altbaulösungen ausgearbeitet werden. Dabei hat sich auch die Anbringung der luftdichten Hülle in der Ebene des alten Außenputzes bewährt. Ohne sorgfältigen Anschluss der luftdichtenden Einzelbauteillagen aneinander kann auch im Altbau keine gute Luftdichtheit erreicht werden.

Literatur

[AkkP 16] Wärmebrückenfreies Konstruieren; Protokollband Nr. 16 des Arbeitskreises kosten¬günstige Passivhäuser Phase II; Passivhaus Institut; Darmstadt 1999.

[AkkP 21] Architekturbeispiele: Wohngebäude; Protokollband Nr. 21 des Arbeits¬kreises kosten¬günstige Passivhäuser Phase III; Passivhaus Institut; Darmstadt 2002.

[Feist 2002] Feist, W.; John, M.; Pfluger, R.: Bauphysikalische Betreuung für das Bauvorhaben Jean-Paul-Platz 4 in Nürnberg, im Auftrag der wbg Nürnberg mbH, Oktober 2002.

[Hauser 2001] Hauser, G.: Wärmebrücken im Gebäudebestand, Hrsg.: Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung (HEA) e.V. beim VDEW, 1. Auflage, Frankfurt am Main, April 2001.

[Geyer 2003] Geyer, Ch.: Wärmeschutz einer Außenwandecke oberhalb eines Kellers – Analyse und Sanierung eines Schadens¬falles, Bauphysik 25, Heft 2, April 2003.

[Raisch 1928] Raisch, E.: Die Luftdurchlässigkeit von Baustoffen und Baukonstruktionen, gi 30 (1928).

[Sedlbauer 2002] Sedlbauer, K.; Gabrio, Th.; Krus, M.: Schimmelpilze – Gesund¬heit¬s¬gefährdung und Vorhersage; Gesundheits¬ingenieur 123(2002), Heft 6, S. 285ff.


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