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Sind Passivhäuser wirtschaftlich?

Sie finden dazu nicht nur im Internet die unterschiedlichsten Meinungen. Immer noch wird von manchen behauptet, Passivhäuser würden sich „nie rechnen“ - oft verbunden mit astronomisch hohen Angaben zu den angeblichen „Mehrkosten“. Und es gibt andere, die behaupten, Sie können über „200.000 Euro“ Gewinn machen mit einem Einfamilien-Passivhaus.

Um das Ergebnis einer seriösen Analyse vorweg zu nehmen: Beide Behauptungen sind falsch. Unter den derzeit in Deutschland und Österreich gegebenen Randbedingungen „rechnen“ sich Passivhäuser, wenn sie einigermaßen kompetent geplant und gebaut werden. Aber: Schnelle Riesengewinne sind nicht zu erwarten; dafür ist das Passivhaus dauerhaft und gesichert günstiger als die Alternativen. Wer vor allem auf „schnelles Geld“ aus ist, soll es lieber anderswo versuchen (… die Chancen, viel Geld zu verlieren, sind dann natürlich auch größer).

In diesem Beitrag wird übrigens methodisch einwandfrei mit einer dynamischen Wirtschaftlichkeitsrechnung auf der Basis von realen Zinsen gerechnet. Alle Randbedingungen werden offen gelegt. Diese entsprechen der gegenwärtigen Realität und sie enthalten keine Spekulation über künftig veränderte Bedingungen. Nach allem, was wir heute wissen, werden allerdings künftig Energiepreise eher noch höher sein - und realistische Geldanlagemöglichkeiten für „Normalverbraucher“ eher geringere Renditechancen haben als heute. Beides wird zu einer noch günstigeren Bewertung des energieeffizienten Bauens führen als hier dargestellt.

Eine Analyse am Beispiel eines Einfamilienhauses

Das Haus in Abb. 1 ist ein gewöhnliches Einfamilienhaus mit 149 m² Wohnfläche. Es ist kein Passivhaus - es wäre aber ganz leicht als Passivhaus zu bauen. Dazu müssten folgende Details besser ausgeführt werden:

  • Die Außenwanddämmung ist auf 300 mm zu erhöhen; dabei wird das Mauerwerk auf 115 mm Kalksandstein reduziert; damit wird die Außenwand insgesamt nur geringfügig (um 25 mm) dicker als sie es vorher war (vgl. Abb. 2).
  • Im Dach wird die Dämmung unter den Sparren und auf der obersten Geschossdecke jeweils von 100 auf 225 mm erhöht; zwischen den Sparren und in der Decke bleiben nach wie vor 140 mm mit Wärmeleitfähigkeit 0,035 W/(mK).
  • Auf der Bodenplatte werden statt insg. 150 mm nun 250 mm PS-Platten mit Wärmeleitfähigkeit 0,035 W/(mK) verwendet.


einfamilienhaus.jpg
Abb.1: Das Einfamilienhaus Schrecksbach wurde 1987 von Man-
fred Such als erstes deutsches Niedrigenergiehaus in Massivbau-
weise gebaut - damals war das sehr innovativ. Heute ist dieser
Wärmeschutz immer noch etwas besser als es die Energie-
einsparverordnung (EnEV) verlangt. Wir haben untersucht, wie
teuer es wäre, dieses Haus heute als Passivhaus zu bauen. Dabei
wird das Vergleichshaus zunächst ohne Lüftungsanlage gerech-
net. Der Heizwärmebedarf beträgt dann 83 kWh/(m²a) (Wohn-
fläche) oder 59 kWh/(m²a) (Fläche AN nach EnEV). Verbraucht
werden für die Heizung 1330 Liter Heizöl EL pro Jahr.


Abb. 2: Der wichtigste Schritt vom „EnEV“-Haus zum
Passivhaus: Die bessere Wärmedämmung


Eine weitgehend wärmebrückenfreie Konstruktion lag auch dem bestehenden Haus bereits zu Grunde; bis auf die Erhöhung der Dämmstärken und den Fenstereinbau außen vor das Mauerwerk sind keine Veränderungen erforderlich. Anstelle der im Originalbau verwendeten Holzbalkendecke zum Obergeschoss (OG) wird für die Passivhaus-Variante von einer Betondecke ausgegangen;

  • diese hat eine wesentlich geringere Aufbauhöhe und ist sogar kostengünstiger;
  • damit wird es möglich, bei gleicher äußerer Höhe des Hauses trotz des etwas dicker gedämmten Daches Raumhöhe im Obergeschoss zu gewinnen.
  • Auch die Wohnfläche kann dadurch etwas vergrößert werden; allerdings sehen wir von der Übernahme der (geringfügig um ca. 1 m²) vergrößerten Wohnfläche in die Berechnung ab, um den Vergleich nicht durch eine Änderung der Bezugsflächen zu verkomplizieren1).

Auch die Kosteneinsparung durch die einfachere Deckenkonstruktion berücksichtigen wir nicht.

Abb. 3: Grundriss des Einfamilien-Passivhauses (EG): Bei kluger
Planung sind die Luftleitungen nur sehr kurz.


Abb. 4: OG-Grundriss des Passivhauses


Alle Außenwände werden auf der Innenseite durchgängig verputzt, die Dachaufbauten erhalten Luftdichtheitsfolien, die im Bereich des Kniestockes eingeputzt werden. Nach vorliegenden Erfahrungen ist mit diesem Ansatz eine Luftdichtheit entsprechend n50=0,4 h-1 erreichbar. Mehrkosten sind damit nicht verbunden - eher Minderkosten, denn die höhere Luftdichtheit schützt vor Bauschäden - deren Reparatur viel teurer ist als die einmalige Investition in eine hochwertig luftdichte Außenhülle; die außerdem verbesserte Wohngesundheit wird finanziell nicht angerechnet.

  • Die Fenster werden anstelle der ursprünglichen 2-Scheiben-Verglasungen mit 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasungen in einem Passivhaus geeigneten Rahmen ausgeführt (Abb.5). Dadurch reduziert sich der Fenster-U-Wert auf im Mittel 0,75 W/(m²K) inkl. der Einbauwärmebrücke. Der mittlere g-Wert der Verglasungen beträgt 0,54.
  • Es wird eine moderne Passivhaus geeignete Lüftungs-Anlage mit effektivem Wärmebereitstellungsgrad von 92% eingesetzt. Die Luftverteilung wurde neu konzipiert (vgl. Abb. 3 und 4).


Abb. 5: Für das Passivhaus geeignete Fenster. Sehr gut wärme-
dämmende Fenster sind für ein Passivhaus unverzichtbar. Neben
der Energieeinsparung haben solche Fenster noch viele weitere
Vorteile, vgl. die Seite zu Passivhaus-Fenstern.


Mit den gerade beschriebenen Detailverbesserungen wird der Passivhausstandard bereits erreicht. Man kann die bestehende Heizung (Heizkessel im Vorratsraum) beibehalten. Allerdings ginge es sogar wesentlich kostengünstiger: Die Lüftung könnte mit einem Kompaktsystem kombiniert werden (bereits im H-W-Raum eingezeichnet). Dadurch entfiele der Öltank, der Kamin und der Heizkessel. Sowieso können die Wärmeverteilleitungen entfallen und die Heizkörper, in jedem Fall können sie kleiner werden - das Kompaktgerät kann die Wärme direkt in die Zuluft liefern; nur im Bad im OG muss es noch einen Heizkörper geben, um dort schnell Badezimmertemperaturen erreichen zu können.

Was kostet das?

Die bessere Wärmedämmung erfordert mehr Dämmstoff und seine Anbringung, die besseren Fenster eine beschichtete Scheibe mehr und einen gedämmten Fensterrahmen, die Wärmerückgewinnung ein Luftkanalnetz:

  • Mehrinvestition Wärmedämmung Wand, Dach, Bodenplatte: 4.800 €
  • Mehrinvestition Passivhausfenster: 5.400 €
  • Mehrinvestition Lüftung mit Wärmerückgewinnung: 5.200 €
  • Minderinvestition kleinerer Öltank, Kessel; Heizkörper und Verteilleitungen entfallen, stattdessen Nachheizregister: -1.400 € (den zusätzlichen nutzbaren Raum rechnen wir nicht)

Summe aller zusätzlichen Investitionskosten: 14.000 €

Um auf der sicheren Seite zu bleiben, werden für die weitere Rechnung 15.000 € zusätzliche Investitionen angenommen. Dafür ist der Passivhaus-Standard bei einem Einfamilienhaus auf jeden Fall zu schaffen. Das sind etwa 8% der durchschnittlichen gesamten Baukosten für ein solches Haus in Deutschland.

Inzwischen, im Jahr 2011, sind insbesondere die Fenster mit Passivhausqualität sehr viel kostengünstiger geworden. Die Mehrinvestitionen sind schon jetzt deutlich geringer als im berechneten Beispiel. Das Passivhaus wird dadurch ökonomisch noch attraktiver.

Wie finanzieren?

Nehmen wir an, das Eigenkapital ist erschöpft und die Mehrinvestition muss durch einen höheren Hypothekenkredit finanziert werden. Bei 4,7% Zins und 1,6% Tilgung bedeutet dies eine Kapitaldienst-Mehrbelastung von jährlich 945 €.

Wenn ein Passivhaus gebaut wird, kann der Bauherr allerdings den zinsvergünstigten Kredit der KfW „Ökologisch Bauen“ für das ESH 40/Passivhaus mit 100% Auszahlung und nur 2,10% Zinsen wahrnehmen (Stand Ende April 2006). Es gibt 50.000 € je Wohnung - in diesem Fall für ein Einfamilienhaus. Die Minderbelastung durch die geringeren Zinsen beträgt in den ersten Jahren jährlich rund 880 €! Damit wird die jährliche Kostenbelastung durch die „Mehrinvestitionen“ im hier behandelten Beispiel bereits fast vollständig ausgeglichen. Wie es dann später aussieht, wird in Abb. 6 behandelt.

Es kommt nämlich noch besser: Statt ungefähr 13.300 kWh Heizöl oder Erdgas werden im Passivhaus nur noch ca. 2290 kWh Brennstoff für Heizung und 350 kWh Strom für die Lüftung gebraucht. Das spart noch einmal Jahr für Jahr 715 € ein - bei den heutigen Brennstoffkosten, während der Strom der Lüftungsanlage ca. 65 €/a kostet.

Investition und Einsparung für ein Passivhaus (149 m²)
- Vergleich für die ersten Jahre -


Zusatzinvestition* im Vergleich zu einem Standardhaus: 15 000 €

zusätzlicher Kapitaldienst im ersten Jahr (Bank): +945 €/Jahr
Entlastung durch Zinsförderung (1. Jahr): -880 €/Jahr
(KfW ESH40/Passivhaus)

Bei einer Heizenergieeinsparung von 11000 kWh/a:
Heizenergiekosteneinsparung bei 65 Ct/Liter H-Öl: -715 €/Jahr
zusätzliche Stromkosten Lüftung bei 18 Ct/kWh: +65 €/Jahr

Ergebnis: Verringerung der Belastung in den ersten Jahren: 585 €/Jahr

* Beispiel: Erfahrungsgemäß kann die Investition auch geringer sein.
Anmerkung zur Methodik vgl.
2)


Abb. 6: Zeitlicher Verlauf der Kostenbelastung bei einem
Normalhaus (rot) und einem Passivhaus (grün). Von Anfang
an ist die jährliche Kostenbelastung mit dem energieeffizienten
Haus geringer. Und nach 30 Jahren folgt noch das „goldene
Ende“: Spätestens dann sind die Kredite zurückgezahlt und
die Baufamilie profitiert allein vom extrem geringen Energie-
verbrauch.


Lohnt sich das?

Mit dem Bau eines Passivhauses reduzieren sich die Kostenbelastungen gegenüber einem „Normalhaus“ nennenswert. Sogar dann, wenn sich die Energiekosten nicht noch weiter erhöhen. Der Passivhaus-Standard ist somit wirtschaftlich attraktiv - auch wenn die Renditen nicht so gewaltig hoch sind, wie manchmal versprochen wird. Aber der Bauherr eines Passivhauses gewinnt noch ein paar Dinge mehr.

Lebensfreude!

Mit dem Passivhaus ist der Energieverbrauch so gering, dass sich die Familie nie mehr Sorgen um Energiepreissteigerungen machen muss. Ohnehin ist das Haus von importierten Energieträgern praktisch unabhängig - und sogar vollständig mit erneuerbarer Energie versorgbar, wenn ein Wärmepumpenkompaktgerät und ein Öko-Strom-Anbieter gewählt werden (oder ein Anteil an einer Windkraftanlage erworben wird oder eine Pelletheizung gewählt wird oder …).

Damit nicht genug: In einem Passivhaus gibt es keine verschimmelten Wände, keine Zugluft, keine kalten Füße. Dafür immer und überall frische Raumluft und weniger Innenraumluftbelastung.

Wie hat es Robert Hastings auf der 8. Passivhaustagung formuliert: „Passivhäuser sollen auf Minimierung der Umweltbelastung optimiert und auf Lebensfreude maximiert werden“.

Und auch an der Verringerung der Umweltbelastung wird die Baufamilie Freude haben: Denn die Folgen des Klimawandels treffen jeden; die klimawirksamen Emissionen sind im Passivhaus gegenüber „normalen“ Neubauten um mehr als einen Faktor 4 reduziert. Diese Beiträge zum Umweltschutz sind umso wirksamer, je mehr Baufamilien sich für den Bau von energieeffizienten Neubauten oder die Modernisierung bestehender Häuser entscheiden.

Soweit die individuellen Vorteile - aber hat die Baufamilie nicht auch etwas davon, wenn Dienstleistung in der Region geschaffen werden und nicht durch Import von Energierohstoffen aus instabilen Teilen der Welt? Wenn ein Passivhaus, wie oben dargestellt, derzeit ca. 14.000 Euro „mehr“ kostet als ein üblicher Neubau - dann sind dies 14.000 Euro, die zu 75% als Handwerksleistung erbracht werden. Und auch die restlichen 25% stammen überwiegend aus Europäischer Wertschöpfung. Das erhält und schafft Arbeitplätze - und es „rechnet“ sich sogar. Die der Gemeinschaft ersparten Kosten für die Bewältigung internationaler Spannungen wollen wir hier gar nicht diskutieren, davon steht täglich genug in der Zeitung. Auch das ist ein Beitrag zur Lebensfreude, denn die „Sicherung von Energievorräten“ kostet ja nicht nur Geld.

Mit Energieeffizienz Kosten sparen – auf Dauer

Auf längere Sicht ist es vor allem die Energieeinsparung, die zur Entlastung beiträgt – zum Glück, denn sich allein auf Förderkredite zu verlassen, könnte nach Ablauf der Zinsbindung zu einer hohen Belastung führen. Daher ist es empfehlenswert, das günstige Baugeld wirklich für nachweislich energieeffiziente Maßnahmen einzusetzen. Das sind z.B. die oben aufgeführten Verbesserungen bei der Wärmedämmung, bei den Fenstern und die Lüftungswärmerückgewinnung. Dass diese Maßnahmen wirklich auch in der Praxis Energie einsparen, hat sich nämlich durch Messungen erwiesen (siehe z.B. Messergebnisse zum Energieverbrauch).

Das Ergebnis der finanzmathematischen Berechnung im Durchschnitt über 30 Jahre zeigen die folgende Tabelle und Abb. 6. Es gibt sogar noch einen darüber hinausgehenden Nutzen, den man in Abb. 6 erkennt:

Auch nach Ablauf von 30 Jahren profitieren Sie weiter von der Energiekosteneinsparung. Denn die passiven Komponenten des Passivhauses leisten ihren Dienst, solange das Haus steht.

Tabelle zur finanzmathematisch berechneten durchschnittlichen jährlichen Belastung über 30 Jahre:

Investition und Einsparung für ein Passivhaus (149 m²)
- finanzmathematische Berechnung über 30 Jahre nominal -


Zusatzinvestition *) im Vergleich zu einem Standardhaus 15 000 €

durchschnittlicher zusätzlicher Kapitaldienst (Bank): +945 €/Jahr
Entlastung durch Zinsförderung im Mittel über 30 Jahre: -626 €/Jahr
(KfW ESH40/Passivhaus)

Bei einer Heizenergieeinsparung von 11000 kWh/a:
Heizenergiekosteneinsparung im Mittel über 30 Jahre: -822 €/Jahr
(nominale Preissteigerung 1.6 %/a)
mittlere zusätzliche Stromkosten Lüftung: +71 €/Jahr

Ergebnis: Verringerung der jährlichen Belastung: 432 €/Jahr

* Beispiel: Erfahrungsgemäß kann die Investition auch geringer sein.


Randbedingungen:

Förderung mit KfW-Kredit ESH40/Passivhaus Stand Ende April 2006. Zinsen (nominal) 2,1 %p.a. 100% Auszahlung, 30a Laufzeit, hier:

  • keine tilgungsfr. Anlaufjahre. Kalkulatorische Nutzungsdauer: 30 Jahre,
  • Kalkulationszins 4,7 % p.a. (Hypothekendarlehen, nominal, effektiv)
  • Brennstoffpreis: 6,5 €Ct/kWh(real),
  • Strom 18 €Ct/kWh (real),
  • Energiepreissteigerung gleich Inflationsrate von 1,6% p.a. (nominal).


Methode: Es werden die Barwerte aller Finanzströme nominal ermittelt und in konstante annuitätische Werte über 30 Jahre umgerechnet. Die verwendeten Komponenten haben einen zu erwartenden Nutzungszeitraum von weit über 30 Jahren (bis auf einfach zu wechselnde Verschleißteile, von denen es im Passivhaus nicht mehr gibt als bei konventionellen Gebäuden). Die Wartungskosten sind unverändert.

Bemerkung zu evtl. Änderungen bei den Randbedingungen:

Diese Seite wurde Ende April 2006 aktualisiert. Preise für Energie, Kreditzinsen und die Bedingungen für Förderkredite ändern sich möglicherweise sehr rasch. Solche Änderungen haben aber auf die Kernaussage („gelbe Tabelle“) nur einen geringen Einfluss. Warum?

  • Die Wirtschaftlichkeit bei Maßnahmen an einem Gebäude hängen nicht so sehr von den zufälligen Tagespreisen, als viel mehr von den mittleren ökonomischen Randbedingungen über die Nutzungszeit der Gebäude ab (und das sind mehr als 30 Jahre). Derzeit sieht es so aus (2011), als ob Energie künftig deutlich teurer sein wird, als die hier zugrunde gelegten Preise.
  • In diesem Zeitraum kann „viel passieren“. Allerdings: Die Zinsbedingungen kann ein Bauherr heute auch für 20 oder 30 Jahre auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau festschreiben lassen. Und dass Energie in den nächsten Jahrzehnten durchschnittlich billiger sein wird als heute - wer glaubt das schon {faktisch ist Energei weiterhin deutlich teurer geworden}? Damit stehen die wichtigsten Parameter relativ sicher fest, auch wenn es möglicherweise aktuelle Schwankungen geben wird, die zeitweise einen anderen Eindruck vermitteln.{ Übrigens: die Realzinsen sind heute (2011) gegenüber 2006 weiter gesunken; auch dies verbessert die Wirtschaftlicheit der Maßnahmen noch weiter. }
  • Die Förderbedingungen der KfW betreffend ist die Aussage der Förderbank, dass sie sich bemüht, den Gegenwert der Förderbedingungen auf gleichem Niveau zu halten (Differenz zum Marktzins). D.h. auch diese Randbedingung bleibt in etwa konstant.
  • Die (nominalen) Marktzinsen wiederum orientieren sich sehr stark an der Inflationsrate. Auch dies bewirkt, dass die Kernaussage in der oben eingerahmten Tabelle in unverändert gültig bleibt, auch wenn sich die Werte nominal ändern. Alle Werte können nicht auf „wenige Euro genau“ vorhergesagt werden. Das Risiko ist aber für Bauherren, die Häuser mit hohem Energieverbrauch bauen, am höchsten. { Bei manchen Prognosen ist man nicht froh darüber, Recht behalten zu haben. Wer heute, nach den Erfahrungen des letzten Jahrzehntes, immer noch nicht energieeffizient baut, ist wirklich selbst schuld.}


Siehe auch

Vorhergehende Abschnitte

Nachfolgende Abschnitte

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in folgenden Publikationen


[AkkP 11] Feist, Wolfgang; Kostengünstige Passivhäuser; Protokollband Nr. 11 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser Phase II; Passivhaus Institut, Darmstadt 1997 (Hier bestellen: Link zur Publikationsliste des PHI)

[Pfluger 2001] Pfluger, Rainer; Wolfgang Feist; Kostengünstiger Passivhaus-Geschoßwohnungsbau in Kassel Marbachshöhe - Projektdokumentation, Qualitätssicherung und Wirtschatlichkeitsbetrachtung, CEPHEUS-Projektinformation Nr. 16, 1. Auflage, Passivhaus Institut, Darmstadt 2001 (Hier bestellen: Link zur Publikationsliste des PHI)

[Treberspurg 2010] Treberspurg, Martin; Smutny, Roman; Grünner Roman; Energiemonitoring der bestehenden Passiv-Wohnhausanlagen in Wien; im Tagungsband der 14. Passivhaustagung, Dresden, Passivhaus Institut Darmstadt, 2010 (Hier verfügbar im PDF)

[Feist 1994] Feist, Wolfgang; Bially, Matthias; Eicke-Henning, Werner; Loga, Tobias; Lüneburg, Marita; Militzer, Jürgen; Wirtschaftlichkeit von Niedrigenergiehäusern, Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt, In: Sonnenenergie und Wärmetechnik, April 1994 (Hier verfügbar im PDF)


1) Hinweis: Ein häufiger „Trick“ bei Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit ist es gerade, dass Pläne so verändert werden, dass unterschiedliche Wohn- oder Nutzflächen entstehen. Da der Wert solcher Flächen hoch oder niedrig angesetzt werden kann und dies mit den Baukosten wenig zu tun hat, wird die Berechnung dadurch unübersichtlich.

Methodisch sauber ist es, die Bezugsflächen gleich zu halten. Das haben wir hier gemacht, in Wahrheit die Fläche sogar etwas vergrößert; ohne das aber anzurechnen.
2) Anmerkung zur Methodik:

Wir verwenden hier die seit langem für solche Wirtschaftlichkeitsrechnungen eingeführte sog. Annuitätenmethode. Dabei werden Geldflüsse, die zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden, alle auf konstante jährliche Zahlungen (wie der effektive Jahreszins + Tilgung bei einem Kredit) umgerechnet. Die Betrachtungszeit haben wir hier mit 30 Jahren angesetzt; so lange werden die hier verwendeten Bauteile alle mindestens halten. Diese Methode wird z.B. auch in der VDI-Richtlinie 2067 verwendet.

Die Ergebnisse dieser Wirtschaftlichkeitsrechnung stimmen mit der Barwertmethode und der Methode des internen Zinsfußes überein, wenn mit gleichen Bedingungen gerechnet wird. Alle diese genannten Methoden sind dynamische Methoden und sie sind für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit adäquat.

Ganz andere Eindrücke kann die Berechnung der sog. „Amortisationszeit“ suggerieren. Amortisationszeiten sind für die gestellte Aufgabe als Kriterium ungeeignet: Sie lassen Maßnahmen mit kurzem Lebenszyklus günstiger erscheinen; Ohne Kenntnis der Nutzungsdauer sagt eine Amortisationszeit gar nichts aus - eine Maßnahme, die sich in einem halben Jahr „amortisiert“ kann dennoch völlig unwirtschaftlich sein … z.B. wenn das Produkt nach drei Monaten bereits kaputt ist.
grundlagen/wirtschaftlichkeit/wirtschaftlichkeit_von_baulichen_energiesparmassnahmen/sind_passivhaeuser_wirtschaftlich.txt · Zuletzt geändert: 2014/04/11 16:09 von twessel