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planung:sanierung_mit_passivhaus_komponenten:perspektiven_fuer_die_modernisierung_des_bestandes_mit_hocheffizienten_komponenten:bauliche_waermeschutzmassnahmen


Bauliche Wärmeschutzmaßnahmen

Passivhaus-Komponenten mit erhöhter Wärmedämmung, Passivhaus-Details und Planungsgrundlagen für das Passivhaus lassen sich grundsätzlich auch im Bestand anwenden. Die erreichbare Dämmqualität ist nahezu immer fast gleich gut wie beim Neubau; die einzigen Ausnahmen bilden die Sockel und evtl. auskragende, thermisch nicht getrennte Bauteile. Auch hier scheitert die weitere Verbesserung nicht an den technischen Möglichkeiten - eine Auftrennung und der Einbau einer thermischen Trennung wäre durchaus möglich, sie rechtfertigt aber den Aufwand nicht; die feuchtetechnischen Probleme lassen sich nämlich, wie gezeigt wurde, auch ohne eine solche Trennung lösen.

Die Mehrinvestitionen für bessere Dämmung lassen sich, wie die dokumentierten Beispiele zeigen, in Grenzen halten.

A ungedämmter Altbau
B konventionelle Dämmung
bei der Modernisierung
C Nachträgliche Dämmung
auf das Niveau Passivhaus
geeigneter Komponenten
(z.B. Außenwand von außen
mit 200 mm Dämmdicke)
Abb. 1: Übersicht zu den inneren Oberflächentemperaturen in einem Raum im Erdgeschoss mit zwei Außenkanten, in deren einer ein Schrank steht bei Norm-Randbedingungen ( 5/20°C)


Die Praxiserfahrungen bestätigen die rechnerischen Ergebnisse; mittels thermografischer Aufnahmen wurde gezeigt, dass die inneren Oberflächentemperaturen bei guter nachträglicher Wärmedämmung auch im Bestand an allen Stellen über die kritischen Temperatur für Schimmelwachstum (12,6°C) gebracht werden können.

Durch die in diesem Protokollband vorgelegten Ergebnisse konnte systematisch gezeigt werden, dass die Wärmebrückenproblematik mit steigendem Dämmniveau einer außen liegenden Dämmung abnimmt: Abb. 1 zeigt die Ergebnisse bei drei verschiedenen Dämmniveaus im Vergleich:

A) Ohne Verbesserung der Wärmedämmung (U-Werte um 1,4 W/(m2K))
Außenwand und Kellerdecke bleiben im alten ungedämmten Zustand. Bei -5° Außen und 20°C Innentemperatur herrschen dann sowohl in der Sockelecke als auch in der Außenwandkante und am Glasrandverbund Temperaturen um 8°C (auch ohne Möbel an der Außenwand). Hier kommt es bei 50% Innenluftfeuchtigkeit bereits zur Tauwasserbildung; hinter einem Schrank in der Kante kann die Temperatur sogar unter 5°C absinken und entlang der Sockelleiste und des Fenstereinbaurandes herrschen zwischen 10 und 11°C. Diese sehr niedrigen Temperaturen führen zu hohen Materialfeuchtigkeiten in diesen Bereichen; die Bedingungen für Schimmelwachstum sind schon erfüllt, wenn die relative Feuchtigkeit über 38% liegt. Es ist vor diesem Hintergrund überhaupt nicht verwunderlich, dass es nah dem Einbau dichter Fenster ohne gleichzeitige Verbesserung des Wärmeschutzes der Außenwand zu Schimmelproblemen in den betreffenden Wohnungen kommen kann.

B) Mit konventioneller Dämmung der Außenwand (60 mm; U-Werte um 0,4 W/(m2K))
Durch die außen liegende Dämmung werden die inneren Oberflächentemperaturen generell deutlich angehoben (bis auf die am Glasrandverbund, die natürlich von der Wanddämmung nahezu unabhängig ist). Auch die Temperaturen an den Wärmebrücken erhöhen sich deutlich. Möglicherweise ausreichende Materialfeuchtigkeiten für Schimmelwachstum werden nun nur noch hinter einem Schrank und vereinzelt am Sockel erreicht; nach wie vor ist Tauwasserbildung am Glasrand eine häufig auftretende Erscheinung. Wenn es durch geeignete Wohnungslüftung gelingt, die relativen Raumluftfeuchtigkeiten konsequent unter 45% zu halten, können in diesem Fall wärmebrückenbedingte Feuchteschäden bereits ausgeschlossen werden. Allerdings ist der Sicherheitsabstand zum Schadensfall noch nicht sehr groß.

C) Mit hocheffizienter Dämmung auf Passivhausniveau (200 mm) inkl. neuem Passivhausfenster (U-Werte um 0,15 W/(m2K) bzw. 0,80 W/(m2K))
In diesem Fall bleiben alle Oberflächentemperaturen, auch die hinter Möbeln in Außenkanten, oberhalb von 16°C (einzige Ausnahme: Glasrand mit 13°C). Unter diesen Umständen sind die Materialfeuchten überall so gering, dass Schimmelwachstum sicher ausgeschlossen werden kann. Es gibt sogar einen Spielraum für die Raumluftfeuchtigkeit, die bis 62% ansteigen dürfte.
Die Konsequenzen aus dieser Analyse lauten: Mit verbessertem außenliegenden Wärmeschutz gibt es generell weniger Feuchteprobleme.
Es empfiehlt sich, die praxiserprobten und bewährten wärmebrückenfreien Details aus dem Passivhaus-Neubau zu übernehmen; wo dies nicht möglich ist, müssen spezielle Altbaudetails mit Überdämmungen weiter helfen. Die Erfahrung zeigt, dass ein wärmebrückenfreies Konstruieren auch im Altbau mit Ausnahme des Sockels und evtl. auskragender Bauteile möglich ist; selbst für solche Extremwärmebrücken lassen sich allerdings bei genügen dicker Dämmung der Regelbauteile Details angeben, die ein Schimmelwachstum ausschließen.

Thermografieaufnahmen in mit diesen Leitlinien modernisierten Gebäuden bestätigen die getroffenen Aussagen.

Siehe auch

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